Eine Reihe mit besonderen Orten in Bangkok. Was wäre eine Insider-Plattform ohne „off the beaten Track“ Empfehlungen und den Geheimtipps. Nein, „Bangkok-von Insidern“ beteiligt sich nicht an der Geheimtipperitis. In der Reihe „Bangkok besondere Orte“ beschreiben die Autoren solche Orte, die sie selbst gern besuchen oder interessant finden. Sie möchten den geneigten Leser einladen, die Inspiration aufzunehmen und selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Sukhumvit, Soi 22

Ein Ort, wo der Kosmos der Millionenstadt auf eine einzige Straße verdichtet. Einfach zu erreichen:von der BTS Prom Pong oder der BTS Asok, beide an der Sukhumvit-Line.

Der glitzernde Teil der Soi 22

 

Sukhumvit Soi 22Am Eingang der Soi gähnt das riesige Holiday Inn Hotel. Gegenüber an der Ecke lärmen offene Bars, jeden Abend spielt in der Otto Bar eine Band. Vielleicht hier das erste Bier einnehmen und die Straße beobachten? Später am Abend erobern gleich um die Ecke (Sukhumvit) einige Garküchen die Gehwege. Weiter geht’s. Links und rechts kleine Massage Shops, Straßen-Snacks, lokale Thai-Restaurants, alles bunt gemischt…

Die Titanium Ice Bar in der Soi 22

Vielleicht später die Titanium Ice Bar besuchen. Eine Damenband heizt jeden Abend den unterkühlten Wodka Aficionados aus der Ice Bar (darüber) ein; minus 10 Grad Celsius mussten sie erdulden. Der Restaurant-Pub No Idea weiter unten in der Soi zählt zu den besten Restaurants in der Sukhumvit Gegend. Wer sich traut, kann an den zahlreichen Straßenständen schnell einen kleinen Snack einnehmen, wo sich auch die Damen aus den umliegenden Bars und Massage Shops versorgen. Aber auch eines der kleinen Straßenrestaurants mit Sitzen innen wäre eine Alternative.

Soi 22 Queens Park Plaza

Für Nostalgiker, hinter dem Bauzaun auf der linken Seite lag früher der berühmte Washington Square. Von der früheren Atmosphäre ist noch etwas in der Queen’s Park Plaza zu spüren. Mehr als dreißig old fashion Girlie-Bars konkurrieren mit den sportlicheren Schwestern. Barmädchen spielen mit Farangs Billard, helfen ihnen das Trinkregime einzuhalten, once more söör schallt aus allen Ecken. Aber auch noble Damen in Kostümen bestaunen hier das abendliche Straßentheater. Sie entsprangen der größten 5 Sterne Hotelmaschine Bangkoks, dem Mariott Marquies von gegenüber; grandioser Ausblick aus der Ruftop-Bar, 38. Stockwerk.

Wine bar Soi 22In einer kleinen Soi neben dem Mariott verbirgt sich in einem Haus (nur ein dezentes Türschild) das kleinste Kino Bangkoks, ein cineastisches Juwel, der Friese-Greene Club. Eine Bar mit Kino-Requisiten und angeschlossenem privaten Kino mit 12 Sitzen; jeden Abend beehrt die Gäste ein anderer Film der anspruchsvolleren Kinematografie. Bevor wir den schillernden Teil der Soi 22 verlassen mit all den Bars, Restaurants, Clubs, Massage Shops, Hotels und Serviced Apartments, noch schnell einen Wein und einige Tapas in der kleinen französischen Weinbar Winedepot genießen.

Die dunkle Seite der Soi 22

Abendstimmung in der Soi 22Jetzt beginnt der hintere Teil der Soi 22, ihre dunkle Seite, weit weg von der schillernden Sukhumvit. Hier ändert die Theaterbühne plötzlich die Kulisse: bröckelnde Fassaden, ungeordnete Häuser, offene Werkstätten, Feuerwehrstation, chaotische Kolonialläden. In Internetcafés schießen Jugendliche an antiquierten Computern auf Weltraummonster. Abgetakelte Frisörsalons schönen die Mädchen. Keine Farangs verströmen an diesem Ort ihr Karma.

Soi 22 rückwärtiger TeilTauchen Sie ruhig in die Seitengassen ein, dort zelebrieren Thais ihr alltägliches Leben. Manchmal flackert an einer Ecke seltsames Licht. Brummende Sprache tönt durch die schwüle Luft. Eine Leinwand überspannt ein Baugerüst, verziert die benachbarten Häuser mit bläulichen Schattenspielen. Das Licht entspringt einem musealen Projektor. Die Zuschauer sitzen auf Bastmatten und starren gebannt auf das cineastische Großereignis.

Mädchen in einer Schneiderei BangkokIn einer offenen Werkstatt nähen Mädchen die ganze Nacht. Der Deckenventilator behaucht sie mit stickiger Luft. Diffuses Licht schweift über die blassen Gesichter. Am nächsten Tag wird ein lächelnder Inder, smart und klimatisiert, den Vorbeigehenden zurufen „Come in söör, your suit söör in 24-hours“. Die blassen Näherinnen lächeln nicht. Mit ihren kleinen Freuden leben sie in der dunstigen Werkstatt. Ihre unbekannten Kunden mit den großen Freuden logieren in den funkelnden Hotels.

Hochhäuser in der nahen Ferne fressen die alte Bebauung wie Krebsgeschwüre. Nur wenige Fenster der modernen Wohnhölen wagen zu leuchten, starren mit dunklen Augen in die engen Sois hinab. In den verwinkelten Straßen wechseln Licht und Schatten, als flackerte über ihnen eine mit dem Erlöschen kämpfende Flamme.

Am Ende gabelt die Soi 22 in die mondäne Soi 24, von hieraus können Sie zurück zur BTS Prom Pong wandern. In dieser Soi genießen smarte Expats und die mondäne Bangkoker Oberschicht. Vor der Lounge des Davis Hotels trotzen junge Thais mit Cocktails in der Hand ihrem leidgeplagten Dasein. Ihre eleganten Partnerinnen legen die Gebisse frei. Von rot geschminkten Lippen sprudeln Lachsalven in die schwüle Nacht.

Lange beobachtete ich gegenüber eine alte Frau; Menschenfleisch mit Adern, das wie zerknittertes Seidenpapier glänzt. In einer vergessenen Häusernische brutzelte sie Eier auf einem kleinen, runden Holzofen. Ihre Kunden sind die Sammler; für eine Handvoll Baht retten sie verlassene Flaschen aus Abfallcontainern. Auf einen Europäer mögen solche Gegensätze beschämend wirken, belästigen sein Gewissen. Für Thais gehören sie zum natürlichen buddhistischen Lebenslauf.

(Neufassung 1.5. 2018)

 

 

 

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