Street-Food in Bangkok; was, wo, wie. Ein Überblick über das berühmte Straßen-Essen. Bangkok wird allgemein als eine Stadt mit dem besten Street-Food gepriesen. Aber was verbirgt sich eigentlich alles hinter diesem Begriff und wo findet der Besucher die besten Orte.

Etwas Geschichtliches

Aus Gründen, die noch der wissenschaftlichen Aufarbeitung harren, ist die thailändische Küche die variantenreichste in ganz SOA. Eine der Ursachen dürfte sein, dass sich Thailand frei von kolonialen Einflüssen entwickelte. Die Kolonialherren in den Nachbarländern beeinflussten die Essgewohnheiten der Oberschicht; die lokale Küche fristete oft ein Nischendasein.

Ein weiterer Grund für die Vielfalt der Speisen sind Migranten aus anderen Ländern, insbesondere China. Aber auch die „Migranten“ aus den eigenen Landesteilen brachten ihre Rezepte mit. Die thailändische Küche absorbierte alle diese Einflüsse und entwickelte sie weiter.

Floating Markets

Bereits während der Ayutthaya-Periode, aber auch später in Bangkok kauften die Hausfrauen ihre Ingredienzen für die Mahlzeiten mangels geeigneter Straßen auf den berühmten Floating Markets…die im kollektiven Bewusstsein der meisten Touristen bis heute herumspuken, obwohl es sie in der originären Form seit mindestens 70 Jahren kaum noch gibt (siehe hierzu: Schwimmende Märkte).

Später verkauften dann einige Händlerinnen auf ihren wackeligen Holzbooten einfache vorgekochte Gerichte, wie etwa die „Boat Noodles“, das erste Water-Street-Food (immer noch anzutreffen am Kanal beim Victory Monument).

Chinesische Arbeiter

Insbesondere chinesische Kulis, also Tagelöhner, begründeten ab Ende des 19. Jh. die Kultur der Straßen-Küchen in Bangkok und Thailand. Bis heute sind die meisten „klassischen“ Straßen-Speisen ein direkter Ableger der einzelnen chinesischen Küchen.

Bis in die 60er Jahre saßen die Chinesen allein an den Straßen-Küchen, oder genauer, sie nahmen die Speisen mit nach Hause. Mit der schnell wachsenden Urbanisierung der Städte, insbesondere in Bangkok, ersetzte das Street-Food immer mehr das Kochen im trauten Heim der Thais. Die „plastic-bag housewifes“ fütterten ihre Familie mit abgepackten Speisen, die sie an Straßen-Küchen und Ständen erwarben.

Street Food heutzutage

Generell gibt es kein thailändisches Gericht, das nicht auch an einer Straßen-Küche angeboten wird. Andererseits gibt es typische Straßen-Speisen, die sogar gute Restaurants auf ihrer Speisekarte haben. Und wer speist an den Straßen-Küchen in Bangkok?

Arme Thais, Farangs und noch einige mehr…

An den Straßen-Küchen speisen meistens arme Thais und Farangs. Für die einen bedeutet diese Essensform eine preiswerte Alternative. Die westlichen Besucher betrachten diese Einrichtung als folkloristisches Synonym für die thailändische Küche an sich. Beide Aussagen sind nicht ganz korrekt.

In vielen Stadtteilen ersetzen die mobilen Straßen-Stände die Restaurants. Insbesondere in Gebieten mit Communities und in den älteren Bezirken (siehe: Bangkok, die Stadt der tausend Gesichter) sind Straßen-Küchen oft die einzige Möglichkeit preiswert oder ortsnah zu essen. Und für die westlichen Besucher bietet der kulinarische Himmel Bangkoks noch weit mehr als die bloße thailändische Küche (siehe hierzu auch allgemein: Essen in Bangkok).

Und die anderen wie Büroangestellte, aber auch Verkäuferinnen, Zimmermädchen, wenn sie sich etwas gönnen möchten…und natürlich die urbane Mittelschicht…die bevölkern die Fast-Food Orte, besuchen die zahlreichen Restaurants in den Shopping-Malls und dort auch die Food-Courts (siehe hierzu: Food Courts in Bangkok) …die Vermögenderen schwelgen in den zahlreichen guten Restaurants mit westlicher Küche und modernen Wein-Bistros….

Intermezzo: was ist eigentlich Street-Food?

Wissen wir doch alle, was für eine dumme Frage: dass Essen an einer Straßen-Küche. Wirklich? Abgesehen davon, dass letztendlich fast alle thailändischen Speisen und Snacks irgendwo an einer mobilen Straßen-Küche und Straßen-Ständen angeboten werden, gibt es dort einige typische Gerichte. Es sind solche, die sich schnell in einem Wok oder Suppentopf zubereiten lassen (siehe hierzu weiter unten). Dann gibt es noch vorgekochte Speisen; angeboten oft auf Nachtmärkten. Diese Speisen werden meistens in den „Armenvierteln“ zubereitet.

Die Wok-Speisen gibt es auch in den einfachen, kleinen (oft offenen) Restaurants; nur unwesentlich teurer als auf der Straße, aber in der Ecke brummt der Kühlschrank. Und dann noch in den Food-Courts der Konsumtempel. Dort manchmal sogar preiswerter als auf der Straße und nicht selten in höherer Qualität als bei den „Suppenkarren“; Hygiene inbegriffen. Aber auch gute Restaurants sind auf den „Streetfood-Hype“ aufgesprungen und locken die Gäste mit „typischem Strassen-Essen“.

Hygiene, Hygiene, Hygiene

Bei diesem Thema laufen Glaubens-Krieger, Thailand-Nostalgiker und Phobisten zur Höchstform auf. Deshalb mache in es kurz und verrate lieber etwas über meine Speise-Gewohnheiten in Bangkok. In „besseren Restaurants“ esse ich ausschließlich westliche Küche, die es in einer solchen Vielfalt und Qualität wie kaum in einer anderen Hauptstadt auf der Welt gibt.

Fast jeden Tag verputze ich an meiner mobilen Straßen-Küche eine Suppe (40 B.) oder in einem kleinen offenen Restaurant ein Chicken-Curry (zubereitet in einem Wok, 70 B.) oder unweit gleich neben meinem Apartment in einem klimatisierten einfachen Restaurant einen Fried-Rice (65 B.) oder Tom Yam Talea (180 B.) oder ich laufe zum Terminal 21 oder Emporium in den Food Court. Nach Mitternacht köcheln um die Ecke zwei Straßen-Küchen, schlagen ihre Tische erst spät auf; hier esse ich entweder Chicken-Rice oder Redpork-Rice…obwohl, es gibt auch Restaurants 24 Stunden geöffnet.

Bei den Straßen-Küchen achte ich auf einen Wasseranschluss, sonst schwimmt das Geschirr in derselben Brühe. Ungekühlte Fleischstreifen ersetzt die Suppen-Dame gerne mit Pork- oder Fischballs, schmeckt auch besser. Auf vorgekochte Speisen verzichte ich meistens, zumindest in Bangkok.

Typisches Street-Food

Neben unzähligen Varianten der thailändischen Küche wiederholen sich an den Straßen-Küchen bestimmte Gerichte. Hier eine unvollständige Übersicht von 7 klassischen Street-Food Speisen, die in den Straßen am häufigsten anzutreffen sind.

1/ Guay Teow  (Nudelsuppe)

Stammt ursprünglich aus China. Die Grundzubereitung ist identisch, die Varianten unendlich. In einem großen Suppentopf köchelt eine Suppenbrühe.

Ein großer Schöpflöffel nimmt die Ingredienzen auf: Nudeln in allen Formen, Gewürze, Sojasprossen, Fleischstreifen, Porkballs, Fishballs, Innereien und was auch immer…schwenkt kurz in die Brühe und kippt den Inhalt auf einen Teller; schnell noch der Aufguss und schon ist die Suppe fertig. Am Tisch stehen Gewürze. Ich verwende Fischsauce, eine säuerlich scharfe Flüssigkeit und ganz wichtig, eins bis zwei kleine Tee-Löffel Zucker.

2/ Som Tam (Papaya Salat)

Das Lieblingsessen der Damen aus dem Isaan. Stammt ursprünglich aus Laos. Die Grundlage bestehen, wie bereits der Name sagt, aus geschredderten grünen Papayas, Chillies, Knoblauch, Bohnen, Tomaten, Limejuice, Fischsauce, Peanuts und manchmal zerkleinerte Flusskrabben…das Ganze im Mörser zerrieben.

Bitte nicht vergessen zu sagen „prik nitnoi“ oder ein bis zwei Finger in Luft heben, dann lächelt die Dame verständnisvoll und hat einen Anhaltspunkt für die Anzahl der Chilis; sonst brennt der Salat an den verwöhnten westlichen Geschmacksnerven wie ein Höllenfeuer. Auf die nicht selten mit Parasiten verseuchten Krabben am besten verzichten.

3/ Pad Thai

Endlich, ein originäres thailändisches Nationalgericht. Aber Pfui Deibel…ein militärischer thailändischer Diktator schaute es im Jahr 1930 seiner Köchin ab und erklärte es kurzum zum Nationalgericht, um endlich den unbeliebten Chinesen auch essensmäßig eins auszuwischen. Bestand ursprünglich aus getrockneten Reisnudeln, Ei, Schalotten, Tofu, Tamarinden-Sauce, getrockneten Shrimps, rotem Chili-Pfeffer, Palm-Zucker, Lime-Spalen und manchmal gerösteten Peanuts. Das Ganze im Wok gerührt.

Heutzutage oft als öliges Gemisch mit Chicken oder frischen Shrimps „verhunzt“. Wer auf der FB-Seite von „Bangkok von Insidern“ scrollt, entdeckt ein kleines Restaurant unweit des Klong Toey Freshmarkets mit meinem besten Pad Thai in Bangkok nach Originalrezept; nein, es ist nicht Tipsamai. Demokratisch bewegte Besucher des Landes sollten auf dieses Gericht eigentlich ganz verzichten.

4/ Khao Man Gai  (Chicken-Rice)

Auch „Hainanese Chicken Rice“ genannt. Ist das Nationalgericht in Singapur, benannt nach chinesischen Immigranten aus der Provinz Hainan. Besteht aus gekochtem Huhn über Reis, garniert mit Gurkenscheiben und frischem Koriander. Dazu gibt es eine Soja-Sauce mit Chili, Ginger, Knoblauch und Essig sowie eine kleine klare Hühnersuppe, in der gekochte weiße Radieschen-Scheiben schwimmen. Bei diesem Gericht kann man nichts falsch machen, da das Hähnchen-Fleisch bereits vorgekocht ist.

5/ Pad See Ew (Gebratene flache Nudeln mit Soja Sauce)

Das ist ein chinesisch beeinflusstes Nudelgericht aus flachen Nudeln mit Fleisch, Soja Sauce, Brokkoli und Kraut. Diese Speise, auch unter dem Namen „kuaitiao“ bekannt, ist eine der wenigen Gerichte, die nicht scharf daherkommen, also perfekt für diejenigen, welche die scharfen Speisen nicht mögen oder vertragen. Gibt es zwar nicht überall, aber an Straßen-Restaurants des öfteren anzutreffen.

 

 

6/ Kao Moo Dang (rotes gegrilltes Schweinefleisch)

Ein kantonesisch inspiriertes Gericht. Reis wird mit gegrilltem rotem Schweinefleisch und süßer Chiang-Wurst belegt, einem halben Ei, übergossen mit einer süßlichen Sauce. Eine klare Suppe rundet das Mahl ab. Bei den meisten Ständen wird „red pork“ auch in einer Suppe serviert. Dort wo es dieses Gericht gibt, hängt in der „Vitrine“ auch „crispy pork“; gegrillter Schweinebauch, wird auf die gleiche Art serviert.

7/ Pla Pao (gegrillter Salz-Fisch)

Pla PaoDer schwarze Fisch. Es handelt sich um den Frischwasser-Fisch „Talipia“, ein billiger Zuchtfisch. Er wird mit Kräutern gefüllt und in einer Salzkruste gegrillt. Diese wird vor dem Essen entfernt…was den Gourmet darunter erwartet…

…“Aus seinem weit aufgerissenen Maul wachsen Lemongrass und Kräuter…unter seiner schwarzen salzigen Haut ist das Fleisch zart und weiß wie bei einem Mädchen aus Lamphun“…, das Zitat stammt von Pierre, der Hauptfigur des Romans „Stille Tage in Bangkok“…Sexismus-Beschwerden also bitte an ihn richten….

Hier noch ein dringlicher Rat: die meisten einfachen Fischrestaurants, auch an den Stränden, lieben es die Fische barbequed zuzubereiten. Der Fisch schmeckt dann oft zäh wie ein verbranntes Huhn. Also besser die steamed Variante bestellen.

Und wo gibt es das Street-Food?

Wie der Name bereits sagt, überall dort wo es eine Straße oder Häusernische gibt, aber auch auf Nachtmärkten. Nach Schätzungen soll es an die 500.000 Straßenküchen in Bangkok geben.

Es ergibt somit wenig Sinn, um die halbe Stadt zu reisen, um an einem bestimmten Ort „Street-Food“ zu essen. Nachfolgend einige Orte, wo es eine größere Ansammlung von Straßenküchen gibt. Ich habe nur solche aufgenommen, die touristisch leicht zu erreiche sind und wo es bei den Straßenküchen auch Sitzmöglichkeiten gibt.

Chinatown

Dieser Ort wird niemanden überraschen. Insbesondere an der Yaorovat Soi 11 gibt es eine Cluster mit vielen Straßen-Küchen. Oft quellen hier die Touristen über, deshalb besser in die Seitenstraßen ausweichen.

Banglamphu

In diesem alten Viertel um die Khaosan wimmelt es nur so von Straßen-Küchen, insbesondere in dem ersten Teil der Soi Rambuttri; selbst auf Entdeckungsreise gehen.

Silom

In der unteren Silom unweit der BTS Sala Deng, an der Ecke der Soi Convent und der Sala Daeing Soi 2 zahlreiche Streefood-Stände, aber auch in einigen Häusernischen versteckt.

Bang Rak

Unweit der BTS Saphan Taxin gibt es ein Street-Food Center in einer Seitenstraße beim Robinson Kaufhaus. Aber auch in den Seitenstraßen.

Historischer Bezirk

Von der Thammsat Universität die Maharat Rd. entlang zum Großen Palast und weiter bis zum Wat Pho wandern. Zwischen der Straße und dem Fluss zahlreiche verwinkelte Gassen und Märkte mit vielen festen Street-Food Küchen.

Wang Lang

Am Pier Wang Lang/Prannok (beim Siriraj Hospital) aussteigen. In dem pittoresken Wang Lang Markt lauern zahlreiche Street-Food Küchen…von der „Hauptstraße“ des Marktes (erste links nach dem Pier) gibt es sogar eine Abzweigung zu einer ausgewiesenen „Food-Street“…suchen…dort auch weitere Essens-Überraschungen. In kulinarischer Hinsicht ist dieser unturistische Markt ein Juwel; und eine Alternative zu dem stickigen und überlaufenen Chatuchak.

Pratunam

Um das Baiyoke Sky Hote Hotel zwischen den Billig-Basaren; für mich ist die laute Atmosphäre dort bedrückend. Wer das genauso empfindet, kann zurück zu Rachadamri Rd. laufen und findet dort kurz vor der Kanalbrücke an der großen Kreuzung mit der Petchaburi Rd. einige offene Lokale mit dem „besten“ Hainanese Chicken-Rice (es ist die Kreuzung, die zur Platinum Fashion Mall führt).

Sathorn

Ein oft übersehener Stadtteil, obwohl er ebenfalls zu den älteren der neueren Geschichte Bangkoks gehört. Das noch bestehende Malaysia Hotel unweit des Lumpini Parkes blickt auf eine lange Geschichte bis zu den Anfängen des Vietnamkrieges zurück. Um das Hotel immer noch viel Lokalkolorit auch mit Streetfood. Der zweite Cluster befindet sich in der Soi Suan Phlu, Allee 8; hier kocht u.a. ein früherer Chefkoch eines renommierten Hotels, Uncle John, gehobene westliche und thailändische Speisen in einer Straßenküche.

Victory Monument

Direkt am Monument beim Kanal warten einige offene Restaurants mit Boat Noodles; das älteste originäre thailändische Kanal-Street-Mahl; in früheren Zeiten direkt von den wackeligen Booten in den Khlongs verkauft. In Bangkok fast nur noch an diesem Ort anzutreffen. Die Allee Rang Nam unweit des BTS Ausgangs Nr. 2 bepflastern etliche Stände mit Streetfood.

Talad Rot Fai

Das ist der beliebteste Nachtmarkt der bloggenden Schwarmintelligenz. An sich verkauft der Markt den gleichen Touri-Stuff wie der Chatuchak, aber dazwischen köcheln zahlreiche Stände. Die touristischen Lemminge strömen in Scharen, balancieren das auf Pappteller hin gepanschte Mahl zwischen drängelnden Menschenmassen, warten bis irgendwo ein Platz frei wird und ernten böse Blicke, wenn sie den selbigen nicht schnell genug einem Wartenden frei machen. Anfahrt: MRT Cultural Center.

Lang Noeng

Das ist die Großmutter aller Food-Märkte in Bangkok. (siehe: Nang Loeng Market). Der Markt entstand im Jahr 1900 und war bereits zu dieser Zeit ein Essens-Markt und versorgte die Bewohner der Gegend; damals ein reines Multikulti. Unter den ersten müssen auch einige Mon hier gewesen sein, denn „Nang Loeng“ bezeichnet ein Tongefäß, was die Immigranten aus Burma bis heute noch auf Ko Kret herstellen.

In der luftigen Halle zelebrieren zahlreiche Stände teilweise unbekannten Speisen; kaum Touristen. Schließt bereits um 15 Uhr. Vom Golden Mount die Nakhon Sawan Rd. entlang laufen, der Markt befindet sich kurz vor dem Kanal (wer den Haupteingang nicht entdeckt, macht nichts, denn jede der kleinen Seitengassen führt zum Markt).

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