Eine Reihe mit besonderen Orten in Bangkok. Was wäre eine Insider-Plattform ohne „off the beaten Track“ Empfehlungen und den Geheimtipps. Nein, „Bangkok-von Insidern“ beteiligt sich nicht an der Geheimtipperitis. In der Reihe „Bangkok besondere Orte“ beschreiben die Autoren solche Orte, die sie selbst gern besuchen oder interessant finden. Sie möchten den geneigten Leser einladen, die Inspiration aufzunehmen und selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Ein Spaziergang in den Hinterhöfen der Sukhumvit. Wer in Bangkok lebt und viele Freunde in der kalten Welt zurückließ, kann sich vor erwartungsvollen Besuchern kaum retten. Inzwischen fand ich eine Lösung: drücke jedem den Artikel „Bangkok: Die Kunst eine Stadt zu besuchen“ in die Hand und schicke sie los. Das ist nicht ganz korrekt, heute drückt frau niemanden mehr einen Artikel in die Hand, ein schnöder elektronischen Link tut es auch.

Tagsüber Tempel, Fluss, Märkte, Chinatown…, und abends? Da sind wir uns einig, den verbringen wir in einem Restaurant mit Außensitzen, bestaunen das Geschehen auf der Strasse. Und später trotten wir durch das bunte Nachleben der Sukhumvit. Liebe Khaosaner, bitte nicht die Augen verdrehen, das notorische Farang-Ghetto steht auch auf dem Programm.

Meine Freunde haben schon eine bestimmte Vorstellung, was sie in dieser Gegend des thai-westlichen Sanuks abends alles erleben möchten: Restaurants, Bars, Musik-Klubs, moderne Shopping-Malls…und das einschlägige Nachtleben. Aber, wie wäre es mit einer kleinen Überraschung? Mit einer Überraschung, die hier in der Innenstadt kaum jemand erwartet. Und ich habe gleich zwei.

Die dörfliche Sukhumvit

Klingt zunächst wie ein Paradox. Gilt doch die Sukhumvit-Gegend als das Zentrum dieser schillernden Stadt. Aber wie so oft entzieht sich Bangkok jeglichen Einordnungen; wie ein Rhizom, ein lebendes Wurzelgeflecht, verändert die Stadt unaufhörlich ihr Gesicht, überrascht ständig mit Neuem und Unerwarteten. Fangen wir an.

Eisentor zu einer anderen WeltWo? Von der Sukhumvit gegenüber der BTS Asok in die Soi 14 einbiegen. Eine enge Straße, fast ohne Verkehr, ruhig, residential Häuser, viel Grün. Immer geradeaus: Und was ist das? Die Soi entpuppt sich als Sackgasse. Ein niedriges Gebäude steht quer, davor lümmeln einige Mofas, daneben lärmt eine Werkstatt. Nicht abraten lassen, wir wissen doch, this is Bangkok and here is all different. Und richtig, ein enger Spalt zwischen den Häusern, hier geht es weiter. Raus auf die laute Straße, rechts weiterlaufen und nach einem duftenden Khlong durch ein schmales Eisentor hinabsteigen.

Das Eisentor zur einer anderen Welt

das unbekannte BangkokJa, dieses Eisentor muss magisch sein. Der dröhnende Verkehr wie von Zauberhand weggeblasen, kaum ein Laut dringt durch. Von beiden Seiten niedrige Holzhäuser, ein Hahn ruft aufgeregt seinen Harem herbei. Im Inneren der offenen Wohnungen flimmern einheimische Seifenopern, Männer mit nackten Oberkörpern klönen vor den schiefen Baracken. Am Ende der Straße zunächst nach links einen Abstecher zum Benjakiti Park. Um den See drehen Expats und Thais ihre Runden. An den Hochhäusern in der nahen Ferne spiegelt die untergehende Abendsonne.

Dann wieder zurück zum Khlong. Dort schlängelt ein Weg, nur für Fußgänger und Fahrräder, entlang bewachsener Ufer und erreicht hoch oben über Straßen und Kreuzungen hinweg nach etwa zwei Kilometern den Lumpini Park (siehe hierzu den Artikel „Fahrradtour durch drei Parks“). Irgendwann erscheint unter dem Steg ein Gewirr von Holzhäusern, engen Gassen: verkruschtelte Geschäfte aus der vor 7/11-Zeit, Waschmaschinen in Reih und Glied warten geduldig auf den Inhalt. Menschen gehen ihrem Alltagsleben nach, ruhig und gelassen, ohne Hast….ein Leben im Hier und Jetzt.

Bald erscheint auf der linken Seite die grüne Kuppel einer Moschee. Jetzt gilt es zu handeln, wir müssen den bequemen Pfad verlassen, uns in das Gewirr dieser Straßen stürzen. Und nicht weit auf der rechten Seite erscheint eine Treppe, hinuntersteigen, dann etwas zurücklaufen und bei der nächsten Möglichkeit den Khlong in Richtung Moschee überqueren. Hier beginnt die eigene Entdeckungstour: die seitlichen kleinen Sois erkunden; enge verwinkelte Gassen, offenes Straßenleben…

Kurz die Augen schließen und wieder öffnen…das Gefühl in Bangkok zu sein, ist verflogen. Dabei pulsiert und lärmt die Sukhumvit, hier unhörbar, kaum 400 Meter entfernt. Irgendwann erscheint eine kleine Hauptstraße von der weitere Subsois abzweigen, keine Furcht, auch diese Gassen begehen….wer sie nicht findet, kann in Googel Maps „RBSC Polo Club“ eingeben, der liegt direkt an der „Hauptstraße“. Von hier ist der Lumpini Park nicht mehr weit.

In den Backwatern der Sukhumvit

Nur wenige Besucher der Innenstadt werden auf die Idee kommen, dass unweit ein Khlong verläuft; der Saen Saep Kanal. Ein kleiner Spaziergang entlang dieses Kanals führt uns zu den Ursprüngen der Sukhumvit-Gegend. Den Anmarsch beginnen wir dort, wo wir uns in dieser Gegend am besten auskennen, zumindest die Besucher mit Testosteron-Hintergrund, an der Soi Cowboy; siehe herzu auch den Artikel „Bangkoks Kanäle zu Fuss erkunden“.

Oder vielleicht doch nicht, denn wir müssten sonst die verkehrsreiche Asok Montri Road entlang. Also die Augen zukneifen, die kleine Sündenstraße zur Soi 23 durchqueren, nach links abbiegen und Richtung Kanal laufen. Gehen, gehen… Einige interessante Restaurants locken unterwegs, einfach ignorieren. Und plötzlich versperrt eine Universität den Weg. Nicht abschrecken lassen, das Gelände betreten und in der Uni links zur Asok Montri Road abbiegen. Nicht wundern, das ist wirklich eine Uni, auch wenn die Damen und Herren in ihren Uniformen, so wie nennt man die jetzt korrekt, ach ja Studierende, eher wie Schulkids aussehen.

am Saen Saep KanalVor der Brücke, die den Kanal überquert, links hinuntersteigen und schon geht es los. Ein Steg windet entlang des Kanals, an wild bewachsenen Hinterhöfen entlang, deren Blütenpracht durch die Eisengitter drängt, an lustigen Graffitis oder Mönchen vorbei…. Später gibt es zwei Möglichkeiten. Enthusiasten oder die Mutigen laufen immer weiter. Der Weg endet dann auf Schienen. Erfahrene ahnen es schon, was und wer sie dort erwartet…., das hier ist echter Slum im Gegensatz zu dem touristisch geadelten Slum am Trainmarket… Da muss man halt durch und von hier ist es nicht mehr weit nach Pratunam und zum Zentral-Pier. Von dort können die Khaosaner gleich weiterreisen.

Ein Hoteljuwel am Kanal

Die anderen biegen vom Khlong-Pfad in die Soi 1 ein und begeben sich zurück in die Zivilisation. Gleich am Anfang der Soi oder dem Ende, wie man es eben nimmt, verbirgt sich hinter einer Mauer eine Überraschung oder in der Travellersprache ein Geheimtipp; nein kein weiterer Flugzeugfriedhof mit zweieinhalb ausgeweiteten Flugzeugleichen oder ein neuer Nachtmarkt. Es ist ein edles Boutique-Hotel in einer alten Villa umgeben von einem tropischen Garten. Dieses Gebäude errichtete im Jahr 1942 ein englischer Ingenieur in Diensten des Königs zusammen mit seiner thailändische Frau. Damals lag es noch am Stadtrand. Das Restaurant, innen oder draußen im Garten, serviert fantasievolle vegetarische Kost und Seafood. Oder lieber stilvoll ein Tee in der Bibliothek einnehmen? Die Torten und Cakes bereitet der Chef persönlich zu.

…Ausklang des Abends

Restaurant Monsoon in Soi 8 BangkokUnd wohin dann am Abend mit meinem Besuch? Da haben die meisten schon ihre eigenen Vorstellungen. Und wenn nicht? Auch hier habe ich mir, eher aus Faulheit, ein kleines Programm zurechtgelegt. Zunächst ein leichtes Abendessen in einem der offenen Restaurants in der Soi 8; hier ein Tipp am Rande: nicht das ganze Abendmahl in einem Restaurant auf einmal verspeisen, es macht viel mehr Spaß das Dinner auf mehrere Restaurants zu verteilen. Loslaufen, entdecken, einkehren…Bangkok ist keine Stadt für Planungs-Freaks…

Dann durch die versteckte Soi 6 bis zur Soi 4, wo das Nacht- und Straßenleben boomt. Gegenüber um die Soi 3 das Arabquater besuchen. Die Sukhumvit hoch, durch die Soi Cowboy wandern einen Drink vorm Coutry Road einnehmen, das Straßen-Theater bestaunen, später vielleicht noch einen kurzen Abstecher in eine Skybar, etwa Brewsky im Raddisson Blu oder im Rooftop des Marriott Marquis in der Soi 22; übrigens, diese lebendige Soi mit all den Restaurants, Straßenküchen, Bars und den Massage Shops hat bisher alle meine Besucher begeistert. Und dann warten auch noch die Musik-Klubs und Weinbars in die Soi 11.

Gehwegbar BangkokUnd diejenigen, die sich an Steves Empfehlung gehalten haben, das Tages-Besuchsprogramm erst am Nachmittag zu beginnen, haben dann später noch genügend Kraft, um die Nacht an einer Gehweg-Bar ausklingen zu lassen und das Hotel erst gegen drei oder vier Uhr morgens zu beehren. Und diejenigen, die sich an Aarons Empfehlung gehalten haben und ihr Hotel in dieser „Nachtgegend“ buchten, brauchen später nicht mit den manchmal renitenten Taximenschen zu verhandeln. Und nutzen den größeren Vorteil, das nahe Hotel zwischendurch für ein kurzes Nickerchen aufsuchen zu können. Übrigens, im Foodland in der Soi 5 und Soi 16 bedient eine Essenstheke die ganze Nacht und auch manche andere Restaurants in dieser Gegend haben 24 Stunden geöffnet.

 

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