Bangkok, die Stadt der kulinarischen Genüsse. WO, WAS, WIE? Wer dabei nur ein Thaifood denkt, denkt zu kurz. Ein systematischer Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten. Vorab ein kultureller Hinweis. Essen als wesentlicher Bestandteil des thailändischen Lebensglücks beherrscht das Denken der Menschen. Die kurzen Verdauungspausen füllen Gespräche über die weitere Speiseplanung. Wundern Sie sich nicht über die ständigen Fragen der Thais, ob Sie schon gegessen haben.

Dieser Beitrag handelt nicht von besonderen Restaurants, dazu später mehr, sondern von den Orten, wo dieses Lebenselixier eingenommen werden kann. Für Traveller, die ihr Bangkokdasein überwiegend in der Khaosan Gegend verbringen, erübrigt sich diese Frage. Denn sie wohnen mittendrin in einem riesigen Essens-Markt und einige gute Restaurants gibt es sogar in dieser Gegend; nicht viele.

Gegen den Mainstream, ein paar Anmerkungen zum Nachdenken

„Aaron, wir wollen gut thailändisch essen gehen, keine schickimicki Restaurants, ein einfaches lokales Restaurant, wohin auch die normalen Menschen gehen. Bei unserem Urlaub in Griechenland oder Egypten fragen wir immer die Damen an der Rezeption oder die Zimmermädchen, die wissen am besten bescheid. Das werden wir in Bangkok auch so machen“

Keine schlechte Idee, ich würde in Griechenland genauso vorgehen. Aber in Bangkok? Die Zimmermädchen stammen meistens aus kleinen Dörfern im Isaan und holen sich ihr Essen in einer Garküche, abgepackt in Zellophan-Tüten; das ist preiswert.  „Ja genau, Straßenküchen, das wollen wir auch und die Zimmermädchen wissen natürlich, welche gut ist“.

Na ja. Aber andersrum gefragt, wohin gehen die Zimmermädchen essen, wenn sie sich etwas „gönnen“ möchten? Ich werde es Ihnen verraten: in ein klimatisiertes Fastfood-Restaurant in der nächstgelegenen Shopping Mall. Und die Dame an der Rezeption? Die wird Sie ins „Asiatique“ schicken. Googeln Sie, was das ist.

„Na dann eben nicht. In den FB-Reisegruppen werden die Nachtmärkte empfohlen, dort gibt es unzählige Street Food Stände, lecker, lecker. Alle Reiseführer und die zahlreichen Reiseblogs schwärmen von diese Märkten als ultimatives Essens-Erlebnis in Bangkok.“ Sie machen es mir wirklich nicht leicht. Kennen Sie noch das Märchen aus dem Kindergarten von Christian Andersen „Des Kaisers neue Kleider“?

„Das reicht jetzt Aaron, wenn du keine Nachtmärkte magst, bitte, aber wir lassen uns dieses Erlebnis von dir nicht vermiesen.“ Das ist die richtige Einstellung für das Leben, immer selbst entscheiden und nicht auf selbsternannten Insider und Besserwisser hören.

Aber machen wir, was die Nachtmärkte betrifft, doch einen kleinen Selbstversuch. Einer der schönsten und am besten zu erreichenden Nachtmärkte in Bangkok soll, nach der Einschätzung der meisten Blogger und Geheimtipp-Gurus, der Talad Rot Fai in Ratchada hinter der Esplanade Mall sein. Anfahrt mit der MRT, Station: Thailand Cultural Center.

Rot Fai Markt
Talad Rot Fai

Laufen Sie zu dem Ausgang in die Richtung „Cultural Center“, das ist ein kleiner Umweg. Rechts den Gehweg entlang laufen. Nach wenige Metern werden Sie ein Seefood-Buffet sehen, gleich daneben ein Moo Kata Thai BBQ (googeln, was das ist) und nach weiteren Metern erscheint ein Tankstelle und davor eine Reihe von offenen Straßen-Restaurants.

Werfen Sie ein Blick hinein und gehen weiter. Dann die Fußgänger-Brücke über die Straße nutzen und auf der gegenüberliegenden Straßenseiten in die Gegenrichtung laufen. Hinter der Esplanade Mall wird Sie der Strom von Touristen und Thais zum Talad Rot Fai leiten. Was Sie dort erwartet: enge Marktstände mit Bekleidung und Touristen-Nippes, ähnlich wie im Chatuchak, dazwischen unzählige Essen-Stände, lecker, lecker.

Wenn ich daran denke, möchte ich selbst sofort loslaufen…aber mit dem Essen in der Hand in dem Gedränge einen freien Sitzplatz zu ergattern, erfordert strategische und akrobatische Fähigkeiten. Die Luft schwitzt mit den Besuchern um die Wette, und wem es gelingt, zwischen vaporisierenden Menschen sein Mahl zu beenden, erntet böse Blicke, falls er den Platz nicht sofort räumt. Die anderen warten schon begierig.Essen im Talad Rot FaiVielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich solche Nachtmärkte nicht mag. In den kleineren thailändischen Provinzstädten würde ich jederzeit auf einem Nachtmarkt speisen, aber in Bangkok? Und die in den Blogs so schön beschrieben Restaurants und das lokale Nachtleben für thailändische Hipster um den Rot Fai sind meist „Bierschwemmen“ für männliche  Thai-Gruppen-trink-Vergnügungen. Ich kann mir gemütlichere Orte vorstellen, wo ich mein Bier trinken möchte.

Wer wie ich, auf diesem Nachtmarkt Beklemmungen empfindet, braucht nicht zu verzweifeln. Er kennt doch bereits die Alternative und kehrt zu den oben erwähnten offenen Straßenrestaurants neben der MRT zurück. Dort sucht er sich einen freien Platz, bestellt sich thailändisches Essen und beobachtet relaxt die Essens-Gewohnheiten der Thais. Keine Angst, die Speisekarten haben Bilder, zur Not auf ein Essen am Nachbartisch deuten.

Ein Tipp: den furchtbar aussehenden Fisch (Pla Pao) auf dem Grill vor dem Restaurant bestellen. Die verbrannte runzlige Haut ist eine Salzkruste, „aber drunter ist das Fleisch zart und weiß wie bei einem Mädchen aus Lamphun“. Aus dieser Stadt in Nordthailand sollen die schönsten Frauen Thailands stammen.

Pla PaoUps, den Vergleich mit den Mädchen hätte ich mir verkneifen sollen. Erstens könnte dies heutzutage als „sexistisch“ ausgelegt werden und zweitens stammt dieser Vergleich nicht von mir, sondern ist dem Roman „Stille Tage in Bangkok“ von Steve entnommen. Wer in das Lebensgefühl von Bangkok mit seinen dunklen & hellen Seiten eintauchen möchte, in einer Triller-Story à la Dave Brown um die Geheimnisse eines verschwundenen Engländers und von alten buddhistischen Schriften, weiß jetzt wenigstens, was dieser Satz bedeutet, wenn er dort auf ihn trifft.

Schlussbemerkung: gut thailändisch essen kann man in Bangkok an jeder Ecke. Dazu ist es nicht nötig, durch die halbe Stadt zu reisen, um einen der „berühmten“ Nachtmärkte zu erreichen. Solche Essensmärkte in Kleinausgabe verteilen sich über die gesamte Stadt, einfach loslaufen, verhungern wird hier niemand. Tipp: wer einen besonderen Essensmarkt mit historischem Flair und ohne Touristen sucht, sollte nach Nang Loeng Market googeln; befindet sich unweit der Khaosan.

Streetfood, das berühmte Straßenessen

Straßenküche BangkokWer kennt sie nicht, die Bilder von den mobilen Straßenküchen. Tausende erobern zu jeder Tages- und Nachtzeit die Gehwege, Straßenecken und Häusernischen. Manche öffnen erst später am Abend, versorgen die Hungrigen bis in die frühen Morgenstunden. Leider verdrängen neue Apartments und Häuserblocks immer mehr diese Nahrungsquelle; die Straßenküchen müssen weichen.

Und auch die Stadtverwaltung zog in den Kampf. Gehwege, Hygiene waren die Stichworte. Klingt plausibel, ist aber nicht der Grund. Ich werde Ihnen an dieser Stelle die Hintergründe nicht verraten, das Thema ist zu komplex. Das Stichwort ist bereits gefallen, die Hygiene. Besorgte Zeitgenossen schauen nochmals in den Reiseführer, nachdem sie ausführlich durch die Seiten mit der Titelüberschrift „Gesundheit“ geblättert haben.

Tische bei StraßenkücheDort steht dann oft der Satz: koch es, brat es, schäle es oder vergiss es! Wie immer im Leben, alles ist relativ. Wer mit deutschen Hygiene-Vorschriften im Gepäck nach Südostasien reisen möchte, dem verbleibt nur noch die langweiligste Stadt dieses Kontinents, Singapur. So, manche Leser erwarten jetzt die Bestätigung für ihre Phobie, die anderen eine Absolution. Ich kann Ihnen beides nicht gewähren.

Persönlich esse ich mehrmals in der Woche an mobilen Straßenküchen oder einem vergleichbaren Straßenrestaurant, aber mit bedacht. To cut the long story short: Straßensuppen, Chickenrice und Som Tam (Papaya-Salat). Und natürlich kann ich manchmal in einem namenlosen Essensmarkt den vorgekochten Speisen nicht widerstehen.

Dazu drei Tipps. Nr. 1: Straßensuppen, erst die Gewürze am Tisch geben der Suppe den letzten Schliff: mit den Chilis vorsichtig, etwas Fisch-Sauce, dann die säuerlich-scharfe Flüssigkeit dazu und wichtig, den Zucker nicht vergessen. Nr. 2: Papaya-Salad, wenn Sie den Satz „prik nit noy“ nicht deutlich und laut aussprechen, möglichst noch den Daumen für eins (eine Chili) heben, dann steht einer Karriere als künftiger Feuerschlucker nichts mehr im Wege. Nr.3: auf Fleisch an Straßenküchen lieber verzichten, es sei denn, die knusprigen Hähnchenteile brutzeln schon länger vor sich hin (und das Hühnerfleisch für den Chickenreis ist bereits vorgekocht).

Freunde von Streetfood können auch in die kleinen Streetfood Straßen-Restaurants ausweichen. Dort werden die Speisen vor den Augen des Gastes ebenfalls frisch im Wok zubereitet, aber in der Ecke brummt ein Kühlschrank. Und fast vergaß ich es: Straßenküchen ohne Wasseranschluss unbedingt meiden, hier erfolgt der Abwasch der Teller und Bestecks in derselben Brühe.

Und was ist mit Magenverstimmungen? Ja, die gibt es. Seltener wegen mangelnder Hygiene und eher wegen der fremdartigen Darm-Bakterien, die der westliche Magen nicht gewohnt ist. Keine Panik: Durchfall, Magenschmerzen und manchmal auch Fieber. Am nächsten Tag ist der Spuk meistens schon vorbei. Meine schlimmste Magenverstimmung zog ich mir übrigens vor einigen Jahren im berühmten Oriental Hotel zu. Es waren wohl die Weintrauben, die so appetitlich und gewaschen in einer Schale auf dem Zimmer schwammen.

 

Food-Courts und Restaurants in Shopping-Malls

Food Court in Shopping-MallJede Shopping-Mall verfügt über zig Restaurants und meistens auch über einen Food-Court. Einkaufen ohne zu speisen können wohl nur die gehetzten Westler. Wenn Sie mit Ihrem neuen Sweetheart von der Dating-Webseite das erste Date verabreden, in einer Shopping-Mall können Sie nichts falsch machen. Hier speist die Bangkoker Mittelschicht. Und wenn sich thailändische Freunde zum Essen verabreden, ist eine Shopping-Mall ebenfalls die erste Wahl.

Was ein Food-Court ist? Gut, für die absoluten Neulinge: ein riesiges Restaurant mit vielen unterschiedlichen Küchenständen und Preisen auf dem Niveau der Straßenküchen. An diesen Einrichtungen dürften auch Hygiene-Freaks nichts auszusetzen haben. Es gibt natürlich auch höherpreisige Food-Courts mit einem höherwertigen Essensangebot. Das Prozedere ist immer das Gleiche. An einem Counter am Eingang erwerben die geneigten Zecher eine Plastikkarte mit einem monetären Kredit und dann geht das Food-Vergnügen auch schon los.

Mit einem Tablett in den vor Erwartung zitternden Händen können Sie entlang der Küchen streunen und sich das Essen selbst zusammenstellen. Am Ende der Essensorgie reicht der selbige Counter den nicht verbrauchten Kredit zurück. Ein kleiner Nachtrag: einige der luxuriösen Lebensmittel-Abteilungen der Kaufhäuser locken ebenfalls mit Küchenständen, die Ihnen das gerade erworbene australische Lammsteak umgehend zubereiten; die Beilagen spendiert die Küche.

 

Hotel-Bufetts, all you can eat

Dinner Bufett in HotelFast jedes der besseren Hotels in Bangkok zelebriert Mittags- und Abend-Buffets, all you can eat. Besonders lukrativ sind diese Angebote an den Wochenenden. Die Preise entsprechen oft einem Abendessen in einem deutschen bürgerlichen Restaurant. Ausnahmen nach oben bestehen bei besonderen Gelegenheiten und Events. Aber auch hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Für Kulinarios mit entsprechender Magenkapazität öffnet sich eine Tour de Force durch den kulinarischen Himmel Bangkoks. Und dies betrifft nicht nur thailändisches Essen, alle Küchen dieser Welt sind vertreten. Tipp: die Bangkok Post listet die Angebote der Hotels nach Gegenden sortiert und mit Preisen.

 

Restaurants, die Qual der Wahl

Restaurant Mosoon Soi 8Restaurants verteilen sich über die gesamte Stadt. Alle Küchen der Welt sind vertreten. Wer italienisch, französisch, spanisch, mexikanisch, indisch, japanisch…essen möchte, findet Angebote auf dem höchsten kulinarischen Niveau. Gefühlt übersteigt die Anzahl der Restaurants das vergleichbare Angebot von Paris und New York. Trotz höchster und guter Qualität liegen die Preise auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. In manchen Hotels wandert der Kochlöffel von einem Sterne-Koch zum anderen.

Die Restaurants bitte gezielt auswählen, der etwas teurere Preis oder die abgelegenere Gegend überwiegt oft die nur unwesentlich preiswerteren Touristen-Restaurants um mehrere Längen. Wem es nur auf das thailändische Essen ankommt, der ist in den Straßenküchen oder bei den besseren Restaurants rund um die Sukhumvit gut aufgehoben. Oder er nutzt das Buffet in einem der Hotels. Ich habe mich entschieden, thailändisch nur noch in Straßenküchen zu essen, geschmacklich meistens besser als in den noblen Restaurants.

Und jetzt mein persönlicher Tipp, den Sie bestimmt noch nirgendwo gelesen haben. Auf meiner kulinarischen Liste stehen auch die internationalen Krankenhäuser. Sollten Sie bei einem mehr oder minder zufällig vorbeikommen, besuchen Sie eines der dort ansässigen Restaurants oder den Food-Court. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.

(Aktualisiert am 4.4. 2018)

 

2 Kommentare

  1. Guter Artikel. Ich komme zufällig gerade von dem besagten Nachtmarkt und finde es dort alles andere als entspannt und das an nem Sonntag. Das war beim letzten Besuch vor ca. 2 Jahren aber noch ganz anders. Ich tu mir schwer den jetzt noch zu empfehlen…

    Als ruhigere Alternative gibt es nen tollen täglichen Essens-Nachtmarkt genau zwischen Alt- und Innenstadt beim Bobae Markt. Da fahren auch viele Busse durch, 10 Minuten von Khao San oder BTS Ratchathewi: https://www.google.de/maps/place/Lan+Luang+Outdoor+Market/@13.7568425,100.5177076,18.67z/data=!4m5!3m4!1s0x30e299386ab4f66b:0x83bc5f4c2ae11682!8m2!3d13.7567453!4d100.5169456

    Nang Loeng Markt ist gut. Wer keine Angst vor Thonburi hat findet ein ähnliches Essensparadies zwischen Central Pinklao und Tesco Pinklao oder noch viel größer neben dem Makro Charansanitwong an der Straße oder natürlich weiter verteilt im bekannten Wang Lang Markt nur 5 Minuten Fährfahrt vom Königspalast.

    P.S.
    Ich hätte mich ja vor 2 Jahren nie im Leben in einem Shopping Mall Food Court blicken lassen. Heute find ich die echt gut und wir gehen sicher 2 Mal die Woche zum Central Pinklao mit seinen zwei (!) Food Courts, einem „Markt“ und unzähligen koreanischen, japanischen und Thai Restaurant-Ketten. Wie du sagst, dort gehen Thais hin wenn sie sich was gönnen wollen und Thais wissen schließlich was gut schmeckt 😉

    • Das ist ein altes Problem: etwas ist gut, dann wird es empfohlen, alle laufen hin…., genauso wie mit den populären Inseln in Thailand. Aber zum Glück ist Bkk so riesig, und was das Essen anbelangt, die einzig schwere Entscheidung ist, was konkret essen, und das mehrfach am Tag…

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