Transport in Bangkok; mit und ohne Geduld. Wie den ewigen Verkehrsstaus zu entkommen. Was es alles gibt. „Ja Emma, ich hab das im LOOSE auch gelesen, die notorischen Verkehrsstaus in Bangkok. Aber was soll’s, weißt du noch das letzte Jahr in Rom und das Jahr zuvor in Paris. Das wird doch nicht so schlimm sein, die übertreiben doch wie immer.“  Paul hat natürlich recht, was heißt schon schlimm, alles ist relativ. Das gilt auch für den Transport in Bangkok.

Rushour in Bangkok

 

Vom Flughafen in die Stadt

„Was meinst du Paul, sollen wir am Flugplatz ein Taxi nehmen?“ „Warte Emma, im Reiseführer stand doch, dass es hier eine neue Bahn gibt, den Airportlink, und außerdem sollen die Taxifahrer wie überall auf der Welt Hallodris sein.“ Auch hier hat Paul teilweise recht. Paul buchte das Baiyoke II, das höchste Hotel in Bangkok, weil er immer schon hoch hinaus wollte. Und er ist auch schlau und befragt Google Maps. Dabei stellt er fest, dass das Hotel weder am neuen Airport Link liegt noch der Skytrain oder U-Bahn in der Nähe sind. Folgerichtig entscheidet er sich für das Taxi.

Zum Glück übersah er am Suvarnabhumi den teuren Limusine-Service. Am Taxi-Counter im Erdgeschoss presst eine Dame ein freundliches Lächeln aus dem Gebiss und schreibt die Adresse des Hotels in Thai auf einen Zettel. Draußen vor dem Eingang fletscht ein Taxi-Hallodri bereits die Zähne, ergreift die Koffer und schleppt sie zu einem sehnsuchtsvoll wartenden Taxi.

„Siehst du Emma, hier auf dem Zettel steht Abrechnung nach Taxameter und nur 50 Baht Zuschlag für den Flugplatz.“ Auch hier hat Paul recht, aber nur teilweise: „You pay the Highway?“ „Was sollen wir pay, siehst du Emma, die Reiseführer haben uns gewarnt. Jetzt will er noch weiteres Geld.“

Hier hat Paul nicht recht. Die Schnellstraßen sind für das Taxi kostenpflichtig, deshalb fragt der Taxifahrer seinen Kunden, ob er sich den Luxus gönnen möchte, statt im Stau zu stehen auf die weniger staubbelastete Schnellstraße auszuweichen, was der Kunde durch die Übernahme der Straßenmaut zu honorieren hat. „Was, die ganze Fahrt hat nur 15 Euro gekostet, dann gib ihm doch noch ein anständiges Trinkgeld, Paul.“

PS. Seit neuestem gibt es vom Flughafen einen regelmäßigen klimatisierten Shuttle-Buss für 60 Baht direkt zur Khaosan. Der Bus steht am Gate 7 vor dem ersten Geschoss des Terminals und startet von 6 bis 20 Uhr alle halbe Stunde.

Transport in der Innenstadt und auf dem Chaopraya

Wie sich in der Innenstadt bewegen? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Über die  geeignetste Strategie entscheiden letztendlich das Ziel und die in der Einleitung beschriebene Infrastruktur der Verkehrswege, vulgo Staus.

1/ Taxis 

Taxi in BangkokPreiswert, überall, benutzen generell den Taxameter. Der letzte Halbsatz stimmt nur teilweise. An und um die absoluten Top-Sehenswürdigkeiten wie dem Großen Palast versuchen die Taxifahrer manchmal astronomische Festpreise zu vereinbaren. Weitergehen oder in Seitenstraßen ausweichen. Das Gleiche, ohne das Attribut „astronomisch“, kann auch spät nachts vorkommen, insbesondere, wenn das Ziel, die Gegend oder das Hotel weit entfernt liegen. Hier kann der Festpreis durchaus gerechtfertigt sein, denn das Taxi wird um diese Zeit wohl leer zurückfahren müssen. Nicht ärgern, die 1.5 -2 EUR Aufpreis ruinieren niemanden und die generierte negative Energie steht nicht dafür.

Manchmal verweigert der ignorante Taximensch die Beförderung gänzlich, insbesondere zu den Rushhours oder wenn das Ziel weit entfernt liegt und das Taxi befürchtet leer rückfahren zu müssen. Aber auch hier nicht ärgern, irgendein anderer wird schon fahren. Generell: bei weiten Strecken lieber BTS, MRT oder das Expressboot nutzen und das Taxi wegen der notorischen Verkehrsstaus eher für die Nahstrecken anhalten. Ein Tipp zum Abschluss: vor Hotels stehende und wartende Taxis meiden.

2/ Der Skytrain (BTS) und die MRT (U-Bahn)

Skytrain BTSDer Wolkenzug (BTS) und der Höllenzug (MRT) rasen durch die Innenbezirke bis hin nach Thonburi (BTS); leider verschmähen sie die alten historischen Zentren Rattanakosin und Chinatown. Die Linien der BTS und der MRT kreuzen sich an einigen Bahnstationen. BTS und MRT sind die geeignetsten Verkehrsmittel für die Innenstadt, um den notorischen Verkehrsstaus zu entgehen. Dienstzeiten der BTS und MRT: von 6 Uhr morgens bis Mitternacht.

3/ Expressboote 

Expressboot in BangkokDas beste Verkehrsmittel, um an die notorischen Sehenswürdigkeiten zu gelangen, aber auch für denjenigen, der das Wasserpanorama Bangkoks erleben möchte. Der Zentralpier nennt sich Sathorn Central Pier, bequem mit der BTS Silom Line zu erreichen (BTS Saphan Taksin) Nein, nicht nach dem früheren Ministerpräsidenten Thaksin benannt, sondern eine Hommage an den von den Burmesen aus Ayutthaya nach Thonburi vertriebenen König Taksin.

Von hier fahren die Expressboote und das Touristenboot ab, sowie die Boot-Shuttles zu den am Fluss gelegen Hotels (siehe Karte Expressboote). Das Touristenboot (blaue Fahne) fährt die Strecke der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ab und ist manchmal weniger überfüllt als die normalen Expressboote. Khaosaner erreichen diese Boote am nächstgelegen Pier Nr. 13 (Phra Arthit).

Die Flaggen auf den Expressbooten geben den Eingeweihten Hinweise, wo das Boot hält. Für Touristen ist hauptsächlich die Orange Flag von Bedeutung. Dieses Boot hält an allen Piers und wichtigen Highlights wie etwa Chinatown, Großer Palast und Wat Pho. Die Endstation für das Expressboot ist Nontaburi, ein lohnenswerter Ausflug. Dienstzeiten der Expressboote: 6-19 Uhr.

Hinweis: eine Übersicht über alle beschriebenen Transportmöglichkeiten einschließlich Kartenmaterial auf Transit Bangkok.

    Was es sonst noch gibt

Wer kennt sie nicht, die knatternden Tuk-Tuks, die früher die gesamte Stadt bevölkerten. Kein Touristenprospekt oder Bangkokguide ohne dieses eigentümliche Gefährt, das wie die schwimmenden Märkte und die Tempeltänzerinnen die Herzen der Fernreisenden seit Generationen erwärmt. Wer nicht richtig verhandeln kann, fährt mit einem nostalgischen Tuk-Tuk meistens teurer als mit einem Taxi. Dafür bekommt er aber das unvergessliche Erlebnis, näher am Verkehr und den Abgasen durch die Straßen zu rattern.

Und dann gibt es noch an jeder Straßenecke die allgegenwärtigen Motorradtaxis. Die Thais sind ein Volk von Fußkranken. Für eine Entfernung von mehr als 100 Metern nutzen sie deshalb ein Gefährt, meist ein Motorradtaxi, das schneller und billiger als die vierrädrigen Kollegen in den Staus vorankommt. Ansonsten sind diese Zweiräder eher etwas für Charaktere mit einem festen Glauben an die Wiedergeburt. Wozu auch Farangs in Anzügen und Krawatten gehören, die zu einem Meeting oder Brainstorming eilen. Und natürlich auch die entzückenden Mädchen, die wie geborene Artistinnen darauf im Damensitz harren und dabei noch zweihändig ihre Handys bearbeiten.

Transport auf dem KhlongKhlongboote. Tausende Pendler nutzen täglich diese tosenden Kähne, die Zentralbangkok mit einigen Außenbereichen verbinden. Die Khlongboote rasem durch die Kanäle, die Hinterhöfe der Stadt. Die Bugwellen schlagen gegen die bröckelnden Fundamente der verfallenden Häuser mit verwiderten Gärten. Passagiere krallen sich krampfhaft an den Sitzen fest. Die Schutzplanen schützen kaum vor dem Spritzwasser aus der Kloake. Von der Romantik des früheren Venedig des Ostens ist nichts mehr zu spüren.

Dennoch, für Mutige off the beaten track ein Erlebnis. Das Jim Thomson haus liegt an einem Pier. Vom Zentralpier in Pratunam lässt sich sogar die Khaosan erreichen. Das Reguläre hält am Golden Mount (Wat Saket). Neuerdings fährt hier ein langsames Touristenboot ab, hopp off, hopp on für 200 Baht; hält an einem Kanal noch näher an der Kaosan.

Den Verkehr in Bangkok verstehen

Geben wir zur Einleitung und zum besseren Verständnis den  taddeligen Geschichtslehrer aus der Unterprima. Als Rama I  1782  seinen großen Palast zu bauen begann, umgab das   gerodete Gelände ein kleines Olivendorf mit chinesischen   Einwohnern, das sich Bang Kok nannte. Die Gegend war mit   Wasserkanälen durchzogen, den Khlongs. Der Verkehr spielte   sich zum größten Teil auf diesen Wasserstraßen ab. Selbst die   Märkte fanden auf dem Wasser statt (aha „Schwimmende   Märkte“). Das ergab damals noch Sinn. Bangkok wurde zu   dieser Zeit auch als das Venedig des Ostens bezeichnet.

Die Verkehrsstaus sind historisch vorprogrammiert

Dann begannen plötzlich die Pferde der europäischen Diplomaten zu streiken, verlangten vehement mehr Auslauf. König Mongkut erhörte die Klagen und ließ 1861 die erste gepflasterte Straße bauen, die Chaoeren Krung. Beim Großen Palast galoppierten die Rösser los, und könnten heute acht Kilometer parallel zum Chao Phraya traben und nach abgasgeschwängerter Luft schnappen.

Die frühere Chaoren Krung

Und was machten die bäuerlichen Bewohner der Gegend, die nicht ständig von einem schnaubenden Gaul niedergetrampelt werden wollten? Richtig, sie bauten kleine seitliche Stichstraßen, Sois genannt. Diese Angewohnheit behielten auch die nachfolgenden Generationen bei. Irgendein reicher Mäzen stiftete eine Straße und das Fußvolk baute daran ihre Sois, meistens Sackgassen, die irgendwo im Nichts enden und nur selten untereinander verbunden sind.

Und als es mit dem Verkehr ganz schlimm wurde, schlugen einige ungeduldige europäische Ingenieure dem Königshaus vor, mehrere Khlongs zuzuschütten und sie zu Straßen umzuwandeln. Die Nachfahren der damaligen Möwen können sich bis heute nicht mit dieser schändlichen Tat abfinden und kreisen immer noch um die breite Satorn Road, einem ehemaligen Khlong.

Und als das immer noch nicht reichte, knieten die Ingenieure wieder vor dem König und schlugen große und breite Schnellstraßen vor, teilweise auf steinernen Stelzen, die nach den Königen benannt werden sollten: Rama I, Rama II, Rama III und so weiter. Das gefiel natürlich den königlichen Beamten und sie ließen die komischen Europäer gewähren und übernahmen sogar die Kosten. Daraus folgt messerscharf, dass Bangkok nicht mit einer europäischen Stadt, was die straßenmäßige Infrastruktur anbelangt, verglichen werden kann. Der Verkehr der Millionenstadt konzentriert sich auf wenige Straßen, seitliches Ausweichen oder Umfahren ist kaum möglich. Deshalb auch die vielen Staus.

Zum Schluss ein Tipp vom Autor: buchen Sie ein Hotel so nah wie möglich an einer BTS oder MRT. Von hier aus erreichen Sie bequem alle wichtigen Teile der Stadt. Und bedenken Sie, auch ein nur zwanzig-minütiger Fußmarsch von einem Hotel zur der nächsten BTS-Haltestelle kann in der schwülen Luft zur Qual werden.

3 Kommentare

  1. Ich weiß das Blog zielt auf Bangkok-Expats und Wiederholungstäter. Aber nachdem die Einleitung aus Sicht von Reisenden geschrieben wurde, fehlt das Chao Phraya Expressboot. Besser als mit dem Flussboot können sich Bangkok-Besucher nicht bewegen. Deswegen würde ich unbedingt am Fluss übernachten.

    P.S.
    Festpreis bei Taxis bitte niemals zustimmen. Das sind nur sehr wenige schwarze Schafe und das nächste Taxi kommt gleich.

    • Die Plattform zielt auf alle Besucher, Neulinge und Expats. Das Expressboot ist im Text erwähnt. Aber danke Florian für diesen Hinweis. Auch mir ist gerade aufgefallen, manchmal wird man Betriebsblind, dass das Expressboot nicht in einem besonderen Absatz angeführt wird, obwohl die überschrift lautet „Transport…am Chaopraya“. Ich werde dies ergänzen. Der Übernachtung in Bangkok habe ich einen eigenen Beitrag gewidmet. Dort sind auch die Nachteile einer Übernachtung am Fluss angedeutet. Für Erstbesucher ist eine Übernachtung am Fluss nicht besonders geeignet.

      • Ok, ich habe den eigenen Absatz für das Flussboot gesucht.

        Es kommt natürlich darauf an welche Besucher. Reisende mit nur wenigen Tagen Aufenthalt, die Sightseeing machen wollen finden am Fluss 90% der interessanten Sehenswürdigkeiten in Bangkok und auch der üble Rush Hour Verkehr fehlt in der Altstadt (außer in Chinatown). Deswegen gibts für Erstlinge nach der Landung imho keine bessere Gegend.

        Vorm Rückflug würde ich dann aber rund um den Siam Square übernachten um gscheit shoppen zu gehen 😉

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